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Nr. 55, Des Schöpfers härtester Hund -
der Abenteuerer Mike Horn

Porträt - Die Zeit, erschienen 3. Januar 2013

Der Abenteurer Mike Horn bricht Reiserekorde und kämpft für die Natur. Eben ist er von einer vierjährigen Weltumsegelung zurückgekehrt

Mike Horn pfeift aus dem letzten Loch. »Wenn das Leben einfach ist, dann sind eure Ziele nicht groß genug«, krächzt er, dann bricht die Stimme endgültig. »Ich hatte letzte Woche einen kleinen Malariaschub«, hustet er noch zur Erklärung. Das Publikum murmelt verständnisvoll. Mike Horn ist ein ganz harter Hund, das ist spätestens an dieser Stelle jedem der 150 Anwesenden klar. Wir befinden uns im Jachtclub von Monaco. Hier hat Horns Freund Fürst Albert vor gut vier Jahren das Schiff getauft, mit dem Horn gerade alle Kontinente umsegelt hat. Sogar eine Erkältung irgendwie bedeutsam wirken zu lassen, das ist eins der vielen Talente des 46-jährigen Südafrikaners...

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Nr. 57, Der Tod als Zumutung –
Bücher übers Witwendasein

Feuilleton - Basler Zeitung, erschienen 24. April 2013


Manche Frauen sind nur im Leiden gross. Das hat die niederländische Autorin Connie Palmen in einem Interview gesagt. Es ist ein sehr böser Satz. Soeben ist ihr neuestes Buch erschienen. Es heisst «Logbuch eines unbarmherzigen Jahres». Darin leidet sie hemmungslos.

Das Buch handelt von der Trauer um ihren verstorbenen Ehemann Hans van Mierlo, der 2010 starb. Bereits fünfzehn Jahre vorher hat Connie Palmen einen Lebensgefährten an den Tod verloren. Darüber erzählte sie 1998 in dem Buch «I.M.». Es handelt von der verzehrenden Liebe zwischen Palmen und dem Journalisten Ischa Meijer, dessen Tod auch sie fast das Leben kostete.

Die bewegende Geschichte wurde zu einem von Palmens besten und erfolgreichsten Büchern. Aber das ist nicht der Grund, warum sie nun dieses Logbuch geschrieben hat. Trauerbücher seien Bücher «die geschrieben werden müssen», heisst es darin. Es stünde sonst «jedem Buch im Weg, das man noch zu schreiben vorhat, es stünde dem Leben im Weg.»

Tatsächlich ist Palmen nicht die einzige Schriftstellerin, die ein zweites Buch über das Trauern geschrieben hat. Die Amerikanerin Joyce Carol Oates veröffentlichte 2005 ihren Roman «Du fehlst», in dem sie indirekt den Tod ihrer Mutter verarbeitet. 2011 erschien «Meine Zeit der Trauer». Darin erzählt Oates in ungeschützter Ich-Form, wie sie fast verging, als ihr Ehemann Raymond Smith, mit dem sie an die fünfzig Jahre verheiratet war, im Alter von 78 Jahren an einem Krankenhausvirus starb.

Von der amerikanischen Essayistin Joan Didion erschien 2005 «Das Jahr des magischen Denkens» und damit ihr bisher erfolgreichstes Buch. Es handelt vom Herzinfarkttod ihres Mannes, des Schriftstellers John Gregory Dunne. Er brach im Alter von 70 Jahren zusammen. Zuvor hatte das Paar die gemeinsame Tochter Quintana auf der Intensivstation besucht, wo diese nach einem septischen Schock um ihr Leben rang. Ein Jahr später, während Didion an «Das Jahr des magischen Denkens» schrieb, starb Quintana mit 39 an multiplem Organversagen. Davon handelt Didions zweites Trauerbuch «Blaue Stunden», das 2010 erschien.

Die deutsche Autorin Sabine Peters verarbeitete 2003 das Sterben ihres Vaters in der Erzählung «Abschied». 2010 erschien ihr autobiografischer Roman «Feuerfreund». Darin erzählt sie vom Sterben des Schriftstellers Christian Geissler, mit dem sie viele Jahre verheiratet war. Schon in «Abschied» hatte sie ihn in der Figur des Lebensgefährten Rupert literarisiert. Geissler starb 2008 mit 79 Jahren an Krebs.

Nicht nur, weil wir alle ihn erwarten müssen, ist der Tod eine Zumutung. Er ist es auch, weil er den Hinterbliebenen die Last des Weiterlebens aufbürdet. Davon handeln alle diese Bücher. «Achtundvierzig Tage nach seinem Tod» beginnt Connie Palmen ihren Bericht. Sie beschreibt darin, wie schon in «I.M.», eine Art Entzugsschmerz. Nicht nur der Gefährte im Alltag fehlt ihr. Sie vermisst seinen Körper. «In den ersten zwei Jahren schlafen wir ineinander auf der ein Meter vierzig breiten Matratze. Er ist fast ein Meter neunzig, ich fast ein Meter sechzig und halb so schwer wie er. Wenn er sich auf die andere Seite dreht, klaubt er mich von seinem Rücken wie ein Äffchen und bettet mich in die Beuge von Rumpf und angezogenen Beinen.»

Palmen hatte den niederländischen Spitzenpolitiker am 11.11. 2009 geheiratet. An diesem Tag waren sie elf Jahre und elf Tage zusammen. Die Zahlenmagie ist Palmens Versuch, diesem Sterben einen Sinn zu geben. Am 11. März 2010 starb er mit 78 Jahren. Sie mache diese Notizen «gegen den Abschied des Vergessens», heisst es in ihrem Logbuch. «Nach einem Monat schon zeigen sich die ersten feinen Risse in den Erinnerungen. Das Verblassen hat etwas von einem zusätzlichen Tod, von einem Verrat an der Liebe. Ich muss gegen das Vergessen anschreiben. Egal wie.»

Aber das rein protokollhafte Schreiben – zu etwas anderem fühlt sie sich nicht in der Lage – ödet sie auch unendlich an. «Dieses Ziellose, von nichts anderem angetrieben zu werden als der profanen Uhrzeit. Es ödet mich genauso masslos an, wie mich mein Leben jetzt anödet, die endlosen Tage, die Zerstreuung an den Abenden, die Leere der Nacht.»

«Denk an groben Kies, über den es schmerzt zu gehen», so beschreibt Joyce Carol Oates diesen Zustand. «Denk an bespritzte Spiegel in öffentlichen Toiletten.» Nach dem Tod ihres Mannes verfällt sie in einen regelrechten Witwenwahnsinn. Nicht nur, dass ihr das eigene Haus fremd wird, das sie nun allein bewohnen muss. Mit ihrem ganzen Leben geht es ihr so. «Ich bin sehr böse auf ihn. Auf meinen armen toten Mann, der sich nicht wehren kann. Wie soll ich dir verzeihen, du hast unser beider Leben zerstört.» – «Ehe bedeutet nicht nur Zeit», schreibt Joan Didion. «Sie bedeutet paradoxerweise auch, die Zeit zu verleugnen. Vierzig Jahre habe ich mich mit Johns Augen gesehen.» So lange waren sie verheiratet.

Aus diesem Reigen steht Sabine Peters heraus. Nicht nur, weil sie für ihre Trauerbücher eine dichte, literarische Sprache gefunden hat, die sich deutlich vom rohen Tagebuchstil der anderen unterscheidet. Als Einzige schildert sie die Beziehung zu ihrem Mann zwar als enge und zärtliche Liebe, aber nicht als Symbiose. Beide unternahmen Reisen und berufliche Ausflüge mit anderen oder allein und genossen diese auch. Als Einzige erscheint ihre Ich-Erzählerin deshalb auch nicht zornig darüber, dass der Mann sie durch seinen Tod verlassen hat.

In Peters’ «Feuerfreund» überwiegt ein tiefer, aber gefasster Schmerz darüber, dass sie den Weg nun ohne den Gefährten gehen muss. «Eine traurige Witwe tut Rupert nicht gut», schreibt Peters. «Ausserdem sind auch seine Kinder und andere traurig. Der Zustand ist nichts Besonderes.» Gerade durch den Verzicht auf lautstarkes Klagen berührt einen Peters’ Geschichte am meisten. Fast alle diese Bücher handeln auch vom hektischen, technisierten Sterben. Es findet meist im Spital statt. «Hältst du das noch einmal aus?», fragt Palmen ihren Mann am viertletzten Tag seines Lebens. «Noch einmal auf die Intensivstation ans Beatmungsgerät, noch einmal Dialyse?» Ihr zuliebe entscheidet er sich dafür. Erst scheint sich sein Zustand zu verbessern. Dann stirbt er. Identisches berichten Joan Didion von ihrer Adoptivtochter Quintana und Joyce Carol Oates von ihrem Mann Raymond.

Die Versprechungen der Medizin sind trügerisch. Der Tod eines alten oder sterbenskranken Menschen lässt sich künstlich nur wenig hinauszögern, wenn man ihn nicht unnötig quälen will. Nicht selten tun das die Angehörigen, um sich selbst noch etwas vor dem Verlust zu verschonen. Auch davon erzählen diese Bücher.

Mit Ausnahme von Sabine Peters haben die trauernden Literatinnen einander im Blick. «Danke für die Erinnerungen von Joan Didion», schreibt Joyce Carol Oates an einen Freund; es seien Memoiren, «die ich schon gelesen habe – aber gern noch einmal wiederlese. Ich weiss, in dem Buch steckt viel kluge Wehmut.»

Connie Palmen bekam von einer amerikanischen Freundin einen Zeitschriftenartikel über Didion mit den Worten: «It’s your story, Connie». Dazu schreibt die Niederländerin: «Ich erinnere mich an die Abwehr gegen das, was der Artikel, als auch, was das Buch von Didion mir bieten konnte. ‹I’ve been there›, erklärte ich Margie. Und dass ich nicht wisse, ob ich dorthin zurückwolle.» Diese Wahl hat ihr das Leben abgenommen.

Weil sie den Horror kennt, den es bedeutet, seinen Mann im Spitalbett langsam entgleiten zu sehen, lässt Palmen gegen ihre weltberühmten Kolleginnen keine Milde walten. In ihrem Logbuch zitiert sie eine Rezension zu Oates’ «Mein Jahr der Trauer», in der enthüllt wird, dass die Schriftstellerin wenige Monate nach Beendigung des Manuskriptes eine neue Ehe einging. «Ich entsinne mich, dass Oates in ihrem Buch behauptet, mit dem Schreiben der Memoiren das Phänomen der Trauer so tief wie möglich durchdringen zu wollen», schreibt sie. «Dadurch, dass Joyce Carol Oates das Kennenlernen eines neuen Mannes und die anstehende Vermählung mit ihm verschweigt, wird aus ihrer Beschreibung der Trauer Falschmünzerei.» Wer trauert echter, besser, wahrer? «Es ist ein erheblicher Unterschied, ob man das erste Jahr mit oder ohne einen neuen Geliebten an seiner Seite überlebt hat», legt Connie Palmen nach.

Trauer enthüllt das Wesen einer Person. Da machen auch Schriftstellerinnen keine Ausnahme. Es ist kein Zufall, dass gerade die Bücher, die sie am verletzlichsten zeigen, die meisten Leser finden. Gegen den Tod hilft nur das Weiterleben. Wie das geht, erzählen sie, so gut sie können. Die Frage, wer von ihnen am grössten leidet, bleibt dabei zum Glück unbeantwortet.

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Nr. 17, Herummusen im Ring –
Der „Boxprinz" Norbert Grupe

Filmkritik - In den Seilen, Online Mai 2007

"Der Boxprinz".
Dokumentarfilm von Gerd Kroske, Deutschland 2002.

Ein schöner Mann war er nicht, aber er war groß und er konnte boxen. Die letzten beiden Eigenschaften fallen seinen früheren Weggefährten ein, wenn sie sich an den Boxer Norbert Grupe erinnern, von dem der Dokumentarfilm "Der Boxprinz" handelt...

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Nr. 18, Das Schemen von Charlottenburg –
Hommage an Max Goldt

Feuilleton - Basler Zeitung, erschienen 17. Mai 2007

Der Schriftsteller Max Goldt macht sich in einer ganzen Generation um Humor verdient - und um Diskretion

Neulich habe ich auf der Strasse wieder Max Goldt gesehen. Glaube ich jedenfalls. Ein rundliches, dunkelblondes Schemen auf der anderen Strassenseite. Aber war er es überhaupt? Eine merkwürdige Macht hindert einen immer, genau hinzuschauen. Das ist ein beliebtes Partythema in den alten Westbezirken Berlins. Viele Menschen glauben, dass sie Max Goldt schon einmal irgendwo gesehen haben. Auf der Strasse, in einem Konzertpublikum, an einer Bar. Aber nie lernt man jemanden kennen, der schon einmal ein Wort mit ihm gewechselt hat. Das ist der Mythos von Max Goldt. Er soll scheu und wenig interessiert an unbekannten Bewunderern sein. Aber er geht wohl gerne spazieren. In Berlin-Charlottenburg, das bei jungen Berlineuphorikern als unsagbar uncool gilt. Dort, wo Goldt seit vielen Jahren wohnt.

In den frühen Neunzigerjahren hatte Goldt als Schriftsteller gerade seinen Ruf als Geheimtipp aus dem Umfeld der Frankfurter "Titanic" überwunden. In Basel kursierte ein fotokopierter Zettel, vom Dichter persönlich verfasst. Er trug die Überschrift "Was bei einer Max Goldt-Lesung zu beachten ist". Darunter der Hinweis "Information für Veranstalter". "Ich benötige einen möglichst grossen, rechteckigen Tisch, der mit schwarzem Tuch verhangen sein sollte, damit das Publikum nicht genötigt ist, die ganze Zeit auf meine Füsse zu starren", damit begann er.

Mich erfüllte das mit Bewunderung. Ernsthafte Forderungen stellen und dabei von seinen Füssen sprechen. Darauf wäre ich nicht gekommen. In der Schweiz wäre so eine Formulierung Ausdruck einer inakzeptablen Arroganz gewesen. "In Ankündigungen sollte auf die Verwendung von Begriffen wie `skurril`, `Satire`, `Szene-Autor`, `der alltägliche Wahnsinn`, `Lachen, was einem im Halse stecken bleibt`, `Zeitgeist`, `Alltagsbeobachtungen`, ´aufs Korn nehmen`, `mit spitzer Feder` etc. verzichtet werden", hiess es weiter unten. Ehrfurcht erfüllte mich und meine Freunde.

Die Sache mit dem Humor war für jugendliche Schweizerinnen und Schweizer Mitte der Achtzigerjahre nicht einfach. Das einheimische Humorschaffen gab nichts her. Nichts, was zu der kühlen Attitüde der New Wave passte. Oder zur Kraft des Postpunk. Beide waren von den Städten zu uns in die Agglomeration gedrungen. Hätte man mit den Eltern über Peach Weber oder Emil lachen sollen? Aus dem Norden kam die Ironie. Nicht nur Autoren wie Max Goldt oder Wiglaf Droste, auch Bands wie "Die Ärzte" oder der Comiczeichner Ralf König schulten uns darin. Wir sahen, was man mit der deutschen Sprache alles machen konnte. Beim Max Goldt fand man altmodisch gedrechselte Sätze, die von Putenbüchern und Harten Haaren handelten. Manche liessen einen noch nach dem fünfzigsten Lesen in fassungsloser Freude auflachen. Hände, "die aufgrund ihrer starken Behaarung mutierten Hummeln aus japanischen Insektenthrillern ähnelten". Das war mehr als nur überraschende Formulierungen. Mit einer solchen Haltung zur Welt und zur Sprache gelang es plötzlich, die banalsten Dinge genauso ernst zu nehmen wie die Bedeutungsschweren. Auf einmal konnte man sich allem, was einem begegnete mit dem gleichen uneigentlichen Ernst hingeben. Man hatte plötzlich doppelt so viele Themen. Eine enorme Erweiterung des Horizonts, ohne sich unnötig zu erhitzen. Max Goldt erfand die Radiotrinkerin und die Sieben-Bier-Bisexualität, die Lesbentaille und die Hinrichtungshostess. In seinen Texten lernten wir eine hedonistische Welt aus feingeistigen Trinkgelagen und Punk-Konzerten kennen, an der wir teilhaben wollten. In den Ferien fuhren wir vom Badischen Bahnhof mit dem Schlafwagen nach Berlin, um das auch zu erleben.

Den Veranstaltern muss Max Goldt heute wohl nicht mehr auf kopierten Zetteln extra mitteilen, dass er gerne vom Bahnhof abgeholt werden möchte. Die Sache mit dem Tischtuch hat sich wahrscheinlich herumgesprochen wie die siebzehn weissen Garderoben von Jennifer Lopez. Beim Wiederlesen klingt der alte, fotokopierte Zettel heute auch nicht mehr divenhaft. Wer schon einmal vor Publikum gelesen hat, weiss, wie anstrengend das ist. Goldt ist mit seinem Perfektionismus zu einem der besten Vorleser im deutschsprachigen Raum geworden.

Noch immer veröffentlicht er regelmässig Bücher und CDs in grossen Verlagen. Seit einigen Jahren mit seinem Humorpartner Stephan Katz zusammen auch Comics. Für viele, die ihn in den Achtzigerjahren entdeckt haben, ist er heute kein Lieblingsdichter mehr. Aber es wächst immer neues Max Goldt-Publikum nach. Bei früheren Lesern blitzt manchmal noch ein kurzer Funken auf, wenn sie erfahren, dass er in ihrer Stadt liest. Doch sie versuchen gar nicht, Karten zu bekommen. Sie gehen davon aus, dass die Veranstaltung schon ausverkauft ist. Teil des Mythos von Max Goldt ist auch, dass alle denken, er trete extrem selten auf. Dabei sind allein für 2007 um die fünfzig Lesungen im deutschsprachigen Raum angekündigt. Aber Max Goldt ist es von Anfang an gelungen, sich rar zu machen. Er gibt praktisch keine Interviews, und es sind kaum Fälle bekannt, in denen er sich ausserhalb seiner Texte zu irgendwelchen Fragen der Gegenwart äussert.

Max Goldt geht heute gegen 50. Sein Mythos ist alterslos geblieben. Hin und wieder sieht man die beiden durch die Strassen von Charlottenburg spazieren. Eine merkwürdige Macht lässt einen vorbeigehen, ohne ein zweites Mal hinzusehen, ob er es wirklich ist. Danach ist man stolz auf die Diskretion, zu der er einem die Gelegenheit gibt. Allein damit hat Max Goldt die Welt besser gemacht. Und mit diesem wunderlichen Humor, den er einer ganzen Generation geschenkt hat, auch in der Schweiz.

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