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Nr. 48, Die Magie der Prärie –
ein Besuch in Marfa/Texas

Reisereportage - Die Zeit, erschienen 27. September 2012

Das texanische Städtchen Marfa ist zum Sehnsuchtsort für Kunsttouristen aus aller Welt geworden. Die einheimischen Cowboys müssen sich an die Fangemeinde noch gewöhnen

Alberto Garcias Tanz beginnt immer am Vormittag. Gegen zehn Uhr holt er den breiten, beweglichen Bodenfeger mit dem schlanken Stiel aus der Kammer und macht kurz darauf die ersten Schritte. In schwungvollen Schleifen gleitet der kräftige Mann zwischen den großen Aluminiumkuben hindurch, die in der langen Halle parallel in zwei Reihen aufgestellt sind. Auf keinen Fall darf die meterlange Kante seines Wischmopps die Würfel berühren...

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Nr. 49, Der helle Wahnsinn –
die Lichter von Las Vegas lassen niemanden kalt

Reisereportage - Augsburger Allgemeine, erschienen 16. Oktober 2012

In Las Vegas geht es um die totale Überwältigung. Aber die Stadt hat auch abseits des Strips etwas zu bieten

Bevor man abhebt, muss jeder auf die Waage. Weil das niemand gerne tut, hat sich die Chefin etwas einfallen lassen: Als Erstes gibt es ein Gläschen Sekt. Außerdem liegt die Gewichtsanzeige versteckt und niemand außer ihr kann die Zahl sehen. Gewogen wird wegen der Sicherheit. Schließlich soll der nächtliche Hubschrauberflug über Las Vegas ein ungetrübtes Vergnügen sein.

Kaum ist es draußen dunkel, schraubt sich der Helikopter in die Luft. Wie ein blinkendes Schaltpult liegt die Stadt dann vor einem, hart abgegrenzt zur Schwärze der Mojave-Wüste, die sie umgibt. Las Vegas ist ein flimmerndes Netz aus elektrischen Lichtern in strengen, rechtwinkligen Linien. Aus dieser Perspektive verströmt es eine so enorme Energie, dass sogar der knurrige Pilot zugibt, bei dem Anblick jedes Mal Gänsehaut zu bekommen.

Las Vegas ist eine der am schnellsten wachsenden Städte der USA. In der Metropolenregion leben fast zwei Millionen Menschen, vor zwanzig Jahren war es noch die hälfte. Seit ihrer Gründung vor gut 100 Jahren lebt die Stadt vom Versprechen, dass hier alles immer verfügbar sei: Spiel, Schnaps und Sünde. „Sin City" lautete früher ihr Spitzname.

Aber in den letzten Jahren versucht sich Las Vegas zu läutern. Vom Paradies für Junggesellen will es zum Vergnügungsort für anspruchsvolle Reisende und sogar Familien werden. Nicht nur die Casinohotels am Strip haben mit Zoos und Kunstgalerien aufgerüstet. Auch die Innenstadt hat wieder an Glanz gewonnen.

Aber nach wie vor geht es in Las Vegas um die totale Überwältigung. Um die Maßlosigkeit genießen zu können, muss man das richtige Maß finden. nicht länger als drei oder vier Tage bleiben. Sich in dieser Zeit aber alles gönnen, was dieser Ort an Wahnsinn zu bieten hat.

Die dickste Linie im Lichternetz der Stadt markiert der Strip. So heißt der südliche Abschnitt des Las Vegas Boulevard, wo Casinohotels einander seit den 1960er Jahren fast aus dem Feld dränen. von der schwarzen Hotelpyramide des „Luxor" sticht ein Xenon-Lichtstrahl senkrecht ins all. Auf der gigantischen Anlage des „Caesar’s Palace" stehen die Gebäude wie aufgeklappte Bücher in der Skyline und übertrumpfen mit ihren von der Antike inspirierten Säulen den ganzen Abschnitt des Strip.

Etwas weiter südlich stehen die Nachbauten des Louvre und der Pariser Oper – quer unter die Füße des Eiffelturms geschoben. Der detailtreue Nachbau ist genau halb so groß wie das Original. Als Europäer bleibt einem spätestens hier die Luft weg. Darf man Wahrzeichen, die von eine jahrhundertealten Stadtgeschichte zeugen, neu zusammenstellen und nach Gusto verfälschen? Solche Zweifel kennt Las Vegas nicht. Darum funktionieren die Illusionen, wenigstens für ein paar Minuten. An der nachgebauten Fassade des Hotels „Paris Las Vegas" kann sich das Auge tatsächlich vom Strip erholen.

Aber Las Vegas hat auch eigene historische Wahrzeichen. Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg. Kurz hinter dem Stratosphere Tower endet der Strip. Der Las Vegas Boulevard geht über nach Downtown in den historischen Teil der Stadt. Früher war Downtown das Zentrum. Frisch gepflanzte, schlanke Palmen verwandeln den ehemals schäbigen Straßenabschnitt in eine Allee. Noch immer ist sie gesäumt von schmalen Hochzeitskapellen. Hier ahn man, wie überschaubar Las Vegas einmal war. Zweistöckige, schlichte Würfen reihen sich aneinander. Sie beherbergen Pfandleihen und Schönheitssalons, manchmal ein mexikanisches Restaurant.

Lange war das Bundesgericht von Nevada, das eine Ecke weiter steht, das höchste Gebäude der Stadt. Der steinerne Bau aus dem Jahr 1933 hat gerade mal drei Etagen – und den ersten Fahrstuhl von Las Vegas, der bis heute funktioniert. Viele Jahre stand das Gericht leer. Im Februar diesen Jahres eröffnete die Stadt darin das „Mob Museum". Dieses erzählt spannend und anschaulich die kriminelle Geschichte der Stadt, ohne die Gangster des „Mobs", der amerikanischen Mafia, zu verherrlichen. Ohne kriminelle Energie wäre Las Vegas nicht aufgeblüht. In den 1940er Jahren entdeckten die von der Polizei gejagten Gangster aus New York und Chicago das Wüstenkaff. Sie investierten ihr Geld in die neuen Hotels und wuschen damit Milliarden.

Nur zwei Blocks vom Mob Museum entfernt liegt die Fremont Street, das Herz von Downtown. Hier standen die legendären Casinos der ersten Stunde: das „Binion’s Horseshoe", das „Golden Nugget". Seit ein paar Jahren ist der gesamte historische Abschnitt der Straße mit einer wuchtigen Konstruktion aus Leinwänden und Lautsprechern überdacht. Abends wird jede Stunde eine Licht- Musik-Show gezeigt. Sie heißt „Fremont Street Experience" und soll die Touristen vom Strip weglocken.

Am hellen Mittag ist es eher eine überdachte Shoppingmall mit Souvenirgeschäften. Die verblichenen Casinos erinnern mit heiterer Patina an ihre große Zeit. Nur der berühmte Leuchtcowboy quetscht seinen winkenden Daumen kläglich an dem High-Tech-Gerät vorbei. Die anderen Leuchtreklamen der Vergangenheit wurden ganz abmontiert und sollen ab Ende 2012 downtown im wiedereröffneten „Neonfriedhof" ausgestellt werden.

Um zu Fuß zurück zum Strip zu bummeln, ist es inzwischen zu heiß. Aber in Las Vegas verkehren alle 15 bis 20 Minuten moderne, klimatisierte Busse. In einer guten Viertelstunde bringen sie uns zurück zum Strip. Hier wälzt sich der Besucherstrom unaufhörlich weiter von Hotel zu Hotel. Sobald der nächste Eingang auftaucht, lässt man sich dankbar ins Kühle ziehen. So geraten wir ins „Venetian".

In einer riesigen, fensterlosen Innenanlage liegt der nachgebaute venezianische Markusplatz unter einer angemalten Wolkendecke. Gedimmte Scheinwerfer verbreiten eine ewige Abenddämmerung. Echte Möwen fliegen unter dem Himmel aus Beton. Chlorgeruch steigt aus den blau gefärbten Kanälen, die zwischen den einzelnen Restaurants verlaufen. Angestellte in Gondoliere-Kostümen lenken stoisch Gondelboote im Kreis. Hinter einem kulissenartigen Torbogen liegt eine Art Einkaufsstraße in einer weiteren fensterlosen Halle. Aber die Illusion des hellen Zwielichts ist perfekt: Man glaubt, gerade einen nachmittäglichen Regenguss hinter sich zu haben. Die Bodenfliesen sind als regennasses Kopfsteinpflaster lackiert und wirken so einladend kühl, dass junge Frauen ihre Killerabsätze ausziehen und mit tiefen Seufzern barfuß weitergehen.

Der ewige, künstliche Nachmittag entfaltet nach und nach seinen Zauber. Hier kann man sitzen und die Passanten beobachten wie in einer richtigen Stadt. In Wirklichkeit ist es in Las Vegas schon wieder dunkel, und am Heliflughafen stellen sich die nächsten Gäste auf die Waage. Auf dem Strip beginnt die Nachtschicht. an mobilen Ständen werden Bier und Cocktails ohne Papiertüte verkauft, das ist sonst fast überall in Amerika verboten. Vor einer Buddha-Statue im Garten des Caesar’s Palace kniet eine Frau auf einem schmalen Fußbänkchen, den mageren Rücken inbrünstig gebeugt. Betrunkene Jugendliche steigen ungerührt über ihre Beine. Las Vegas ist anstrengend für Körper und Geist. Die Regeln von Tag und Nacht, innen und außen, hell und dunkel sind außer Kraft gesetzt.

Das Spiel der Wasserfontänen vor dem Hotel „Bellagio" gehört zu den Gratis-Sensationen der Stadt. Jeden Abend schießen tausende Liter Wasser in die Luft, wechseln die Farbe und tanzen eine Viertelstunde lang mit ohrenbetäubendem Knallen ihr Ballett. Mit dem Wasser schleudert Las Vegas seinen Triumph in den Wüstenhimmel. Wenn es möglich war, diese Stadt zu bauen, dann ist alles möglich. Das ist es was, man vom Helikopter aus sehen kann, und was sogar dem Piloten Gänsehaut macht.

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Nr. 50, Mal reinlesen –
Die bemerkenwerteste Bibliothek der Alpen
findet man in Appenzell

Hotelgeschichte - Die Zeit (Hotelheft), erschienen 18. Oktober 2012

Wer den Alpenhof in Appenzell besucht, muss wissen, worauf er sich einlässt: Den Sog von 12.000 Büchern und den schroffen Charme einer Künstlerpension

Der sicherste Ort liegt über dem Abgrund. Fast senkrecht fällt der von alten Föhren bewachsene Hang in die Tiefe. Auf dieser Seite des Waldfensters ruht man jedoch auf einem griffigen Filzkissen. Hier duftet es nach dem Holz der Dachbalken und dem leichten Staub von 12.000 gut gepflegten Büchern. Kein Laut stört beim Lesen, und zum Lesen kommt man ja auch hierher. Die Künstlerpension Alpenhof, zuoberst auf dem St. Anton in Appenzell, beherbergt unter ihrem Dach nämlich eine der aufregendsten Büchersammlungen der Schweiz...

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Nr. 51, Vier Sterne für Clint Eastwood –
das legendäre Gran Hotel in Almería

Hotelgeschichte - Die Zeit (Hotelheft), erschienen 18. Oktober 2012

In der andalusischen Wüste wurden zahlreiche Western gedreht. Deshalb entstand hier das Gran Almería, ein Grandhotel nach amerikanischem Vorbild. Ein bisschen Glamour ist bis heute zu spüren

Die Geschichte des Gran Almería beginnt mit Clint Eastwoods schlechter Laune im Jahr 1964. Sie ist deshalb so schlecht, weil es dieses Hotel noch nicht gibt. Eastwood hat als Schauspieler bereits erste Erfolge in Hollywood und soll nun in der andalusischen Wüste von Tabernas mit Sergio Leone den Spaghettiwestern Für eine Handvoll Dollar drehen. Die Region am südöstlichsten Zipfel von Spanien sieht fast aus wie der Wilde Westen, ist aber viel kleiner...

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